John Lanchester „Die Mauer“

John Lanchester „Die Mauer“

Warum sollte man dieses Buch unbedingt lesen?

„Die Mauer“
John Lanchester

Weil hier zwei Themen aufgegriffen werden, die gerade mehr als nur aktuell sind, Umwelt und Ausgrenzung. In der momentanen Realität sind diese Themen vielen Menschen fast schon lästig. Im Buch beschreibt John Lanchester die Folgen aus britischer Sicht und verknüpft sie zwingend miteinander. Rund um Großbritannien steht eine Mauer. Jeder britische Bürger, ob Frau oder Mann, muss zwei Jahre Dienst auf dieser Mauer tun. Ziel ist es die „Anderen“ auf Leben und Tod am Überqueren der Mauer zu hindern. Die „Anderen“ sind die Menschen außerhalb dieser geschlossenen Welt, die vor allem aus Gründen der umgekippten Umwelt auf der Suche nach Überlebensräumen sind. Wer von den Bewachern der Mauer versagt und „Andere“ nicht aufhalten kann, wird auf einem Boot ausgesetzt und selbst zum „Anderen“. Alle Rechte sind verwirkt und es geht plötzlich ums Überleben in der völlig „anderen“ Welt. Wie soll solch eine Geschichte enden? Perfekt, wie der Autor hier die Kurve nimmt.

Andreas Guski „Dostojewskij“

Andreas Guski „Dostojewskij“

Warum sollte man dieses Buch unbedingt lesen?

„Dostojewskij – eine Biographie“
Andreas Guski

Man muss kein Fan oder Kenner von Dostojewskij sein, um viel Freude beim Lesen dieses Buches zum haben. Andreas Guski vermag es, sowohl den Menschen, als auch die Zeit sehr anschaulich und flott lesbar zu beschreiben. Mit interessanten und verständlichen Erläuterungen werden die Schreibstile der zeitgenössische großen russischen Schriftsteller dargestellt. Dosdojewsijs persönliche und schriftstellerischen Entwicklung wird anhand seiner Erlebnisse, wie z.B. seiner Scheinhinrichtung, beschrieben. Dies wird in in mitreißender Art eingebettet in die Beschreibung der russischen Literatur- und Autorenszene seiner Zeit. Das Ganze wird umrahmt von einer verständliche Analyse von Dostojewsijs Werken und in die damalige politische Verhältnisse eingeordnet.

Das hört sich alles sehr trocken an, ist es aber nicht. Ich habe selten eine so lesenswert geschriebene Biografie gelesen.

Eric Vuillard „Die Tagesordnung“

Eric Vuillard „Die Tagesordnung“

Warum sollte man dieses Buch unbedingt lesen?

„Die Tagesordnung“
Eric Vuillard

Mit gewaltiger Sprache geschrieben, kann man auf 118 Seiten lesen, wie am 20. Februar 1933 die Größen von Krupp, Opel, BASF, Siemens, Allianz und andere Großindustrielle, bei einem Geheimtreffen mit Adolf Hitler bereitwillig ihre Geldbörsen öffnen und damit dafür sorgen , dass all das Elend über Europa kommen kann. An dieser Praxis der Finanzierung der Politik hat sich bis heute nichts geändert. Dieses Buch mit seinen bildhaften Beschreibungen zu lesen, ist das reinste Vergnügen. Es wurde völlig zu Recht mit dem französischen Literaturpreis ausgezeichnet.

Yavuz Ekinci „Der Tag, an dem ein Mann vom Berg Amar kam“

Yavuz Ekinci „Der Tag, an dem ein Mann vom Berg Amar kam“

Warum sollte man dieses Buch unbedingt lesen?

Der Tag, an dem ein Mann vom Berg Amar kam
Yavuz Ekinci

Allein schon wegen der ersten Seiten. Yavuz Ekinci beschreibt hier fast im Stil eines Märchens den Lauf der Natur und ihrer Lebewesen. Gerade noch Jäger ist „man“ plötzlich Gejagter. Dieses Szenario ist permanent in Bewegung und wird brilliant beschrieben. Im weiteren Verlauf des Buches wird der Leser in ein kurdisches Dorf geführt. Der Autor spannt den Bogen immer wieder weit zurück in die sagenumwobene Vergangenheit der Kultur dieser Dorfgemeinschaft. Als Leser wird man ein Teil der Dorfbewohner und kann nicht glauben, was da passiert. Ein Mann kommt vom Berg gelaufen. Er kommt, um den Menschen zu sagen, dass „sie“ kommen. „Sie“ werden die Häuser in Brand stecken, die Frauen vergewaltigen und alle töten. Die Menschen dort sehen den Mann von weitem kommen und wissen da schon um ihr Schicksal. Aber sie bleiben und warten. Der Leser will es nicht glauben.

Robert Sedlatzek-Müller „Soldatenglück – Mein Leben nach dem Überleben“

Robert Sedlatzek-Müller „Soldatenglück – Mein Leben nach dem Überleben“

Warum sollte man dieses Buch unbedingt lesen?

Soldatenglück – Mein Leben nach dem Überleben
Robert Sedlatzek-Müller

Weil es ungeheuerlich ist, was der deutsche Staat mit Soldaten macht, wenn sie im Einsatz Schaden nehmen und nicht in vordefinierte Schubladen passen. Es zeigt sich wieder einmal, das Deutschland völlig unflexibel ist. Robert Sedlatzek-Müller war Soldat, genauer Elitesoldat. Er gehörte wohl zu den Besten. Er war für Deutschland im Auslandseinsatz. Dazu kann man stehen, wie man will. Fakt ist, sein Land hat ihn dahin geschickt. Er wurde verwundet, bekam eine posttraumatische Belastungsstörung und scheiterte mit seinen Ansprüchen schlicht an einer Stichtagregelung. In diesem Buch beschreibt er sein Leben als Soldat, die Zeit seiner Verwundung und seinen Kampf um ihm zustehende Ansprüche. Die Sprache ist klar und sachlich, so dass man das Buch einfach mal so weg liest. Aber man ist unsagbar wütend.

Stewart O’Nan „Der Zirkusbrand“

Stewart O’Nan „Der Zirkusbrand“

Warum sollte man dieses Buch unbedingt lesen?

Der Zirkusbrand
Stewart O’Nan

Weil Stewart O’Nan es perfekt verstanden hat, ein für sich genommen schlimmes Ereignis in Form eines Sachbuches so fesselnd zu beschreiben, dass man es wie einen Roman „verschlingen“ kann. Mir fällt hierzu nichts vergleichbares ein. Ein wirklich lesenswertes Buch über ein wirklich schreckliches Ereignis in einer amerikanischen Kleinstadt Im Jahr 1944. Während einer Vorstellung brennt ein Zirkuszelt ab. In der Folge sterben 167 Menschen, meist Frauen und Kinder. Das allein ist aus heutiger Sicht nicht sonderlich spektakulär. Die Augenzeugenberichte sind dies allerdings in höchstem Maße. Von 1944 bis 1999 begleitet O’Nan die Geschichte der Protagonisten, ob sie bei dem Unglück verstorben sind, oder überlebt haben. Er zeigt die Schwierigkeiten und Fehler bei der Identifizierung der teilweise bis zur Unkenntlichkeit verstümmelten Opfer genauso, wie den aufopferungsvollen Einsatz der Helfer. Er beschreibt die Traumen der Überlebenden und die Ermittlungen mehrerer Generationen Polizisten. Er beschreibt dies alles perfekt.